Unfruchtbarkeit bei der Frau – Mögliche Ursachen

 

Unfruchtbarkeit kann viele Ursachen haben. Nicht immer ist eine Erkrankung die Ursache. Und nicht in jedem Fall lässt sich die Ursache der Unfruchtbarkeit feststellen.

 

 

Starke psychische oder physische Überbelastung (z.B. Leistungssport, schwere körperliche Arbeit), Alkohol, Rauchen, Drogen, Medikamente und Umweltgifte können sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken. Auch Über- und Untergewicht sowie Störungen im Essverhalten oder Diäten sind der Fruchtbarkeit nicht förderlich. Dies alles gilt sowohl für die Frau wie für den Mann.

Der Alterungsprozess spielt eine wichtige Rolle. Bereits vor Geburt ist die Anzahl der später zur Verfügung stehenden Eizellen in den Eierstöcken festgelegt. Dieses Reservoir an funktionstüchtigen Eizellen verkleinert sich mit zunehmendem Alter kontinuierlich. Viele Eizellen sterben natürlicherweise ab. Nur ein kleiner Teil reift während den Zyklen zur befruchtungsfähigen Eizelle heran und die Qualität dieser Eizellen nimmt mit dem Alter ab. Mit der Menopause ist dieser Prozess sichtbar beendet. Doch die Fruchtbarkeit ist schon viel früher deutlich eingeschränkt [Abb.1].  

Abb.1 (klicken um zu vergrössern)

 

Weil Frauen heutzutage ihren Kinderwunsch häufiger auf eine spätere Lebensphase verschieben, fällt er dadurch vermehrt auf einen Altersabschnitt, in welchem die Fruchtbarkeit naturgegeben abnimmt (ca. ab 30J.). Während im fruchtbarsten Altersabschnitt (zwischen 20 und 30J.) Ausbildung und Beruf im Vordergrund stehen. Diese moderne Lebensplanung, häufig als der späte Kinderwunsch bezeichnet, erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit einer Fruchtbarkeitsstörung.

Unfruchtbarkeit kann durch unterschiedliche Erkrankungen verursacht werden. Dazu gehören Störungen im Hormonhaushalt oder Erkrankungen der Geschlechtsorgane. Aber auch Erkrankungen, welche nicht primär die Geschlechtsorgane betreffen, können zu einer Unfruchtbarkeit führen (z.B. Stoffwechselerkrankungen). Es kann sich um genetisch bedingte (vererbte) oder im Laufe des Lebens zugezogene (erworbene) Erkrankungen handeln.

Nachfolgend eine Aufzählung der häufigsten in Frage kommenden Erkrankungen bei der Frau:
 

Hormonelle Störungen

Das hormonelle Gleichgewicht spielt eine zentrale Rolle für die Fruchtbarkeit. Gerade die erwähnten Lebensstil-Faktoren können es empfindlich durcheinander bringen.

Hormonelle Störungen wirken sich häufig auf die Eizellreifung aus. Das heisst, dass sich beispielsweise kein reifer Follikel heranbildet, der Eisprung ausbleibt, der Gelbkörper sich zu wenig entwickelt oder dass sich Zysten bilden. Auch das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) gehört in diese Gruppe.

Der Ursprung der hormonellen Störung kann zentral im Gehirn liegen oder im Eierstock. Das heisst, dass im Gehirn ungenügend Signalhormone (GnRH bzw. LH und FSH) ausgeschüttet werden, oder dass die Eierstöcke zu wenig Östrogen oder Progesteron bilden.

Durch eine Störung im Hormonregelkreis kann es auch zu einem Überschuss an männlichen Hormonen (Androgene) bei der Frau kommen, welcher wiederum Ursache weiterer Fehlfunktionen ist (z.B. polyzystisches Ovarialsyndrom).

Auch die Gebärmutter kann Ursache einer hormonellen Störung sein, nämlich dann, wenn die Plazenta in der Schwangerschaft zu wenig Choriongonadotropin (hCG) bildet, welches für die Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft verantwortlich ist.

Nicht zu vergessen: Auch Störungen der Schilddrüsenfunktion, des Insulinhaushaltes (Diabetes), des Prolaktinspiegels (Hyperprolaktinämie), uvm. gehören zu den hormonellen Ursachen, welche die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können.
 

Eileiter-bedingte Störungen

Entzündungen, Wucherungen (Tumore, Endometriose), Verwachsungen (z.B. nach Operationen), uvm. können zu einem teilweisen oder kompletten Verschluss der Eileiter führen [Abb. 3]. Dies kommt relativ häufig, bei etwa einem Drittel der Fälle, als Ursache einer Fruchtbarkeitsstörung vor.
 

Gebärmutter

Veränderungen der Gebärmutter (Uterus) oder des Gebärmutterhalses (Cervix) können die Fruchtbarkeit einschränken. Zu den Ursachen zählen Entzündungen, Infektionen (z.B. Geschlechtskrankheiten), Verwachsungen (z.B. nach Operationen) und Wucherungen (Polypen, Zysten, Myome, Endometriose), um einige Beispiele zu nennen.
 

Endometriose

Endometriose ist eine fortschreitende Erkrankung, bei welcher sich Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter ansiedelt [Abb. 4]. Diese Schleimhautherde entwickeln sich auf den verschiedenen Organen im Bauchraum. Man findet sie beispielsweise auf den Eierstöcken, der Blase, der Niere, dem Darm und aussen an der Gebärmutter oder den Eileitern. Die Symptome der Endometriose können sehr unterschiedlich sein. Häufig werden starke Schmerzen während der Monatsblutung beschrieben. Die Endometriose kommt relativ häufig vor. Man schätzt, dass bis zu 10 % der Frauen im gebärfähigen Alter und beinahe die Hälfte der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch davon betroffen sind.
 

Myome

Myome sind gutartige Tumore der Gebärmuttermuskulatur [Abb. 5]. Je nach Grösse, Anzahl und Ort des Auftretens können sie die Fruchtbarkeit ebenfalls einschränken.
 

Fehlbildungen

Angeborene Fehlbildungen der Geschlechtsorgane, wie Eileiter, Gebärmutter, Eierstöcke, sind eher selten.
 

Immunologische Fehlfunktionen

Es handelt sich dabei um abnorme, d.h. krankhafte Abwehrreaktionen des Immunsystems. Der Körper bildet Antikörper, welche sich gegen die Eizelle oder Spermien richtet.

 

Abb.3 (klicken um zu vergrössern)

 

Abb.4 (klicken um zu vergrössern)

 

Abb.5 (klicken um zu vergrössern)

Leider ist es nicht in jedem Fall möglich, die Ursache der Unfruchtbarkeit eindeutig festzustellen. Bei 15 bis 30% der Paare bleibt die Ursache unbekannt.

Fertil, subfertil, infertil oder steril? – eine Begriffserklärung

Mit fertil bezeichnet man die Fähigkeit, spontan - also ohne unterstützende Massnahmen - schwanger zu werden (Fertilität / Fruchtbarkeit: normale spontane Schwangerschaftswahrscheinlichkeit). Infertil und steril wurden im deutschen Sprachraum bisher unterschieden, im englischen hingegen sind sie praktisch gleichbedeutend. Dies kann etwas verwirrend sein. Im deutschen Sprachraum wurde mit Infertilität das Unvermögen eine Schwangerschaft auszutragen, mit Sterilität das Unvermögen überhaupt schwanger zu werden bezeichnet. Doch mittlerweile werden beide Begriffe in Anlehnung an den englischen Sprachgebrauch sinngleich verwendet; also eine Fruchtbarkeitsstörung mit deutlich erniedrigter Aussicht auf eine spontane Schwangerschaft. Auf Deutsch: Unfruchtbarkeit bzw. Fruchtbarkeitsstörung. Der Ausdruck subfertil findet sich weniger häufig und bedeutet, dass die Fruchtbarkeit zwar eingeschränkt ist aber doch bedeutende Chancen für eine spontane Schwangerschaft bestehen.

 

 

 

 

 

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