Der Auftauzyklus (Kryozyklus)

 

Falls nach einer ersten IVF-Behandlung genügend befruchtete Eizellen vorhanden sind, können diese tiefgefroren und über einen längeren Zeitraum aufbewahrt werden. Tritt keine Schwangerschaft ein oder wird zu einem späteren Zeitpunkt eine weitere Schwangerschaft gewünscht, so kann auf diese tiefgefrorenen Eizellen zurückgegriffen werden. Das bezeichnet man dann als Kryozyklus bzw. Auftauzyklus. Der Vorteil liegt darin, dass die aufwändige und kostspielige hormonelle Stimulation inklusive Eizellgewinnung wegfällt. Meist werden befruchtete, sich im Vorkernstadium befindende, Eizellen tiefgefroren. Dadurch fällt auch die Befruchtungsphase weg.

Als Vorbereitung für einen Kryozyklus reicht häufig eine milde hormonelle Stimulation aus. Je nach Medikament entweder als Tabletten oder Spritzen verabreicht. Manchmal kann auch der natürliche Zyklus dafür ausreichen. Bei beiden Vorgehensweisen wird mittels Ultraschall und Hormonbestimmung (Blutentnahme) der Zeitpunkt des Eisprungs berechnet und falls nötig mit einer Spritze ausgelöst. Zwei Tage nach dem Eisprung findet der Embryotransfer statt. Rechtzeitig vor dem Embryotransfer wird die Eizelle aufgetaut und im Brutschrank aufbewahrt, wo sie sich zum Embryo weiterentwickeln kann. Die Einnistung des Embryos in die Gebärmutterschleimhaut wird mit Progesteron (Gelbkörperhormon) unterstützt.

Sofern genügend tiefgefrorene Eizellen vorhanden sind und nichts dagegen spricht, kann ein Auftauzyklus auch wiederholt werden. Die Kosten bewegen sich zwischen 1000 und 2300 Franken pro Zyklus (Richtwert). 

 

Das Tiefgefrieren – ein Risiko?
 

Die am häufigsten verwendete Methode ist das Tiefgefrieren der Eizellen in flüssigem Stickstoff bei -196°C [Abb. 1]. Sowohl das Tiefgefrieren wie auch das Auftauen erfolgen in klar definierten Teilschritten, um die Eizellen bestmöglich zu schonen. Doch trotz vorsichtiger Handhabung und etablierter Methoden, kann das Risiko einer Schädigung der Eizellen nie ganz ausgeschlossen werden. Die grösste Gefahr liegt im Vorgang des Einfrierens und des Wiederauftauens. Das eigentliche Lagern im tiefgefrorenen Zustand hingegen gilt als relativ risikoarm. Laut dem Bundesamt für Statistik (2013) weist der Kryozyklus eine etwas höhere Schwangerschaftserfolgsquote pro Embryotransfer auf als ein Frischzyklus.

Grundsätzlich können unbefruchtete Eizellen, befruchtete Eizellen im Vorkernstadium, Embryonen und auch Spermien tiefgefroren (kryokonserviert) werden. In der Schweiz ist jedoch die Kryokonservation von Embryonen verboten. In bestimmten, medizinisch begründeten Fällen, wie beispielsweise bei einer Chemo- oder Radiotherapie, wird auch Eierstock- oder Hodengewebe für eine spätere IVF-Behandlung tiefgefroren.

 

 


Abb.1 (klicken um zu vergrössern)

 

 

 

 

 

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