Ablauf einer IVF-Therapie

 

Im Folgenden wird davon ausgegangen, dass die Abklärung der Unfruchtbarkeit erfolgt ist und das Paar sich für eine IVF-Behandlung entschieden hat. 

Eine IVF-Behandlung beginnt immer mit einer eingehenden Besprechung. Das genaue Vorgehen wird erklärt und genau festgehalten. Nebst einem detaillierten Terminplan wird auch festgehalten, welche Medikamente (Hormone) wann und wie verabreicht werden sollen und worauf sonst noch acht zu geben ist (z.B. Nebenwirkungen). Im Terminplan sind alle Kontrolluntersuchungen und Behandlungen festgelegt. Dies ist wichtig, damit man sich den privaten wie beruflichen Terminplan frei halten kann.

Zum Vorbereitungsgespräch gehört aber in der Regel auch eine Einverständniserklärung, welche beide Partner unterschreiben müssen. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Kosten, usw. werden – falls nicht bereits geschehen – ebenfalls erläutert.

GnRH-Agonisten bzw. Antagonisten. Erst anschliessend werden das Wachstum und die Reifung der Eizellen in den Eierstöcken gezielt stimuliert. Für die Stimulation werden in erster Linie FSH-Präparate verabreicht.

Die hormonelle Stimulation erfolgt nach einem Protokoll. Das Stimulationsprotokoll wird individuell festgelegt und kann von Patientin zu Patientin variieren. Die Unterschiede beziehen sich insbesondere auf den Startzeitpunkt der Therapie (Zeitpunkt im Zyklus), die Therapiedauer, die verwendeten Hormone und deren Dosierung. Das Ziel ist es am Ende gleich mehrere reife Follikel entwickeln zu lassen, damit bei der Punktion genügend Eizellen gewonnen werden können.

 

Video: Short stimulation protocol(English)

 

Video: GnRH antagonist stimulation protocol(English)

 

Sobald die Follikel genügend herangewachsen sind, wird am letzten Tag der Stimulation mittels einer einzigen hCG-Injektion die Ausreifung der Follikel vervollständigt und dadurch im Grunde der Eisprung vorbereitet. Nach etwa 36 Stunden, kurz bevor es zum Eisprung kommt, werden die Follikel im Eierstock mit einer speziellen Nadel (Kanüle) punktiert und die Eizellen abgesogen [Abb. 1]. Dieser Vorgang erfolgt ambulant in der Klinik. Meist ist keine Narkose nötig. Eine örtliche Betäubung reicht aus. Aus Sicherheitsgründen wird jedoch alles soweit vorbereitet, dass auch ein Eingriff in Narkose möglich wäre. Die Punktion erfolgt mit Hilfe einer speziellen Ultraschallsonde mit integrierter Kanüle, welche durch die Scheide eingeführt wird. Die Kanüle wird durch die Scheidenwand in die Eierstöcke geführt und die Follikel gezielt punktiert. Das Ganze erfolgt unter Ultraschallkontrolle und dauert in der Regel knappe 15 Minuten. Leider enthält nicht jeder Follikel immer eine Eizelle. Es kann also sein, dass keine oder weniger Eizellen gewonnen werden können als erwartet.

Am gleichen Tag der Eizellgewinnung wird auch die Spermaprobe genommen.

 

Abb.1 (Klicken um zu vergrössern)

 

Video: Oocyte retrieval (English)

 

Die gewonnenen Eizellen und das Sperma des Mannes werden untersucht und speziell aufbereitet. Danach werden die Eizellen mit den Samenzellen des Mannes in einer geeigneten Nährlösung zusammengebracht [Abb. 2]. Bei der eigentlichen IVF-Behandlung erfolgt die Befruchtung der Eizelle ohne weiteres Zutun. Die ICSI-Methode (Intracytoplasmatische Spermieninjektion) wird dann angewandt, wenn eine selbständige Befruchtung der Eizelle unwahrscheinlich ist. 

 

Abb.2 (Klicken um zu vergrössern)

 

Video: IVF & ICSI (English)

 

Die Eizellen werden nach der Eizellentnahme meist 2 bis 3 Tage lang (manchmal auch länger) in einem speziellen Brutschrank aufbewahrt, sog. kultiviert. In genau definierten Zeitabständen werden die Eizellen unter dem Mikroskop untersucht. Das erste Mal - nach ca. einem halben Tag - wird überprüft, ob eine Befruchtung stattgefunden hat (Ausbildung der Zygote) [Abb. 3]. Später werden die ersten Zellteilungen, das heisst, die Weiterentwicklung zum Embryo beurteilt.

In der Schweiz dürfen, laut geltendem Gesetz, maximal drei Embryonen entwickelt werden. Alle entwickelten Embryonen müssen in die Gebärmutter eingebracht werden. Sie dürfen nicht eingefroren werden. Um das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft zu reduzieren, werden daher häufig nur ein bis zwei Embryonen entwickelt und in die Gebärmutter gebracht. Konnten aber bei der Punktion mehrere Eizellen gewonnen werden, so dürfen diese entweder direkt eingefroren werden oder im sog. Vorkernstadium, d.h. nach erfolgter Befruchtung aber vor der ersten Zellteilung. Diese können dann für eine weitere Behandlung aufbewahrt werden.

 

Abb.3 (Klicken um zu vergrössern)

 

Zwei bis drei Tage nach der Eizellgewinnung (in manchen Fällen auch später) werden die Embryonen in die Gebärmutter eingebracht. Vorausgesetzt, die Embryonen haben sich gut entwickelt. Dies erfolgt mit Hilfe eines Katheters unter Ultraschallkontrolle [Abb.4]. Um das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft zu reduzieren, werden meistens nur ein bis zwei Embryonen in die Gebärmutter transferiert. Die Einnistung der Embryonen in die Gebärmutter wird ebenfalls hormonell unterstützt. Dafür werden Progesteron-Präparate verwendet, z.B. in Form von Vaginalgel oder -zäpfchen.

 

Abb.4 (Klicken um zu vergrössern)

 

Video: Embryo transfer(English)

 

In der Schweiz dürfen überzählige, befruchtete Eizellen, welche sich noch im Vorkernstadium (sog. Zygoten) befinden, kryokonserviert, d.h. tiefgefroren werden. Im Vorkernstadium bedeutet, es hat noch keine Kernverschmelzung stattgefunden. Embryonen (also nach der Kernverschmelzung) dürfen in der Schweiz nicht tiefgefroren und aufbewahrt werden.

 

Sind mehr Eizellen vorhanden als benötigt werden, so können diese tiefgefroren und für einen weiteren Zyklus aufbewahrt werden. Bei Bedarf werden diese aufgetaut und stehen für einen neuen Embryotransfer zur Verfügung. Sollte es also nicht zu einer Schwangerschaft kommen oder der Wunsch einer weiteren Schwangerschaft vorhanden sein, so können diese Eizellen verwendet werden, ohne dass wieder eine umfassende Stimulation mit Punktion und – bei unbefruchteten Eizellen gegebenenfalls Befruchtung - erfolgen muss. Die Eizellen (befruchtet wie unbefruchtet) dürfen in der Schweiz maximal 5 Jahre aufbewahrt werden. Siehe auch Kapitel Kryozyklus.

Die Kryokonservierung und Aufbewahrung der Eizellen benötigt eine Einverständniserklärung des Paares.

Etwa zwei Wochen nach dem Embryotransfer wird das Schwangerschaftshormon im Blut (seltener Urin) gemessen und überprüft, ob sich der Embryo erfolgreich einnisten konnte.

Für viele ist diese Zeit des Wartens wohl eine der schwierigsten Phasen. Ihre Ärztin/Ihr Arzt bietet Ihnen gerne entsprechende Unterstützung und Tipps an, wie Sie möglichst optimal durch diese Zeit kommen. Und sie können Ihnen, falls sinnvoll, auch weitere Ansprechpersonen vorschlagen. 

Verschiedene Gründe können dafür verantwortlich sein:

  • Hormonelle Stimulation: diese hat ungenügend oder in seltenen Fällen auch zu stark gewirkt. Es können deshalb keine oder zu wenige Eizellen gewonnen werden.
  • Follikel: die Follikel enthalten gar keine Eizellen.
  • Eizellen: diese sind zwar vorhanden aber nicht reif genug oder lassen sich nicht befruchten.
  • Embryo: die befruchtete Eizelle entwickelt sich nicht zum Embryo weiter oder der Embryo entwickelt sich nicht normal.
  • Samenzellen: es können keine Samenzellen gewonnen werden (aus Samenerguss oder Hodenbiopsie) oder die Qualität der Samenzellen ist ungenügend.
  • Embryotransfer: die transferierten Embryonen nisten sich nicht ein.

 

 

 

 

 

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