Hormonelle Stimulation

 

Mit Hilfe der hormonellen Stimulation sollen hormonelle Defizite ausgeglichen sowie verschiedene Vorgänge im Fruchtbarkeitsgeschehen gezielt gefördert und verbessert werden. Die dafür verwendeten Hormone spielen auch im natürlichen Fruchtbarkeitsgeschehen eine entscheidende Rolle. Auswahl und Anwendung richten sich nach der Ursache der Unfruchtbarkeit und dem Therapieziel. Bei der Frau erfolgt der Einsatz meist in Anlehnung an den natürlichen Fruchtbarkeitszyklus. Es geht ja darum, die natürlichen Abläufe, wie beispielsweise die Follikelreifung, bestmöglich zu unterstützen. Bei der assistierten Reproduktion, wie beispielsweise bei der In-Vitro-Fertilisation (IVF), bildet die hormonelle Stimulation die notwendige Grundlage. Die Form der Verabreichung ist je nach Hormon unterschiedlich: meistens als Spritze, einzelne als Tablette oder Intra-Vaginal-Gel.

 

Nachfolgend sollen die für die hormonelle Stimulation verwendeten Substanzen kurz erläutert werden. In Abbildung 1 sind Ansatz und Einfluss der einzelnen Substanzen im hormonellen Regelkreis schematisch dargestellt.

 

Verwendete Substanzen und Hormone:

 

Abb.1 (klicken um zu vergrössern)

Clomifen gehört zur Gruppe der Selektiven Östrogenrezeptormodulatoren (SERM). Im natürlichen hormonellen Regelkreis hemmt Clomifen das negative Feedback der körpereigenen Östrogene und stimuliert dadurch im Hypothalamus die Freisetzung von GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon). Dadurch wird die Hypophyse angeregt, mehr Luteinisierungshormon (LH) und follikelstimulierendes Hormon (FSH) freizusetzen. Was letztendlich dazu führt, dass die Follikelreifung stimuliert und der Eisprung ausgelöst wird. Clomifen wird einmal täglich ab dem 5. Zyklustag während 5 Tagen eingenommen. Die Therapie soll nicht länger als drei Monatszyklen dauern. Die Stimulation mit Clomifen wird als einfache, eher milde Methode betrachtet und deshalb gerne als erster Schritt bei Frauen mit Kinderwunsch eingesetzt, die keinen Eisprung haben. Vorausgesetzt, dass sonst keine weiteren Störungen vorliegen.

FSH gehört zur Gruppe der Gonadotropine (» Ursprung und Herstellung). Bei der Frau wird es zur Stimulation des Follikelwachstums eingesetzt. Beim Mann zur Stimulierung der Spermienproduktion. Entweder, um einen körpereigenen Mangel auszugleichen oder als gezielte Vorbereitung im Rahmen einer medizinisch-assistierten Reproduktionstechnik (IVF, ICSI). Auf dem Markt sind verschiedene Präparate erhältlich. Gewisse Präparate liegen als bereits fertig vorbereitete Lösung vor, die mit einem speziellen Applikator (sog. Pen) verabreicht werden. Andere müssen kurz vor der Anwendung aus der Trockensubstanz und einem Lösungsmittel gemischt und danach mit einer Spritze verabreicht werden. Die Verabreichung mit dem Pen ist für die Patienten meistens deutlich einfacher. Die FSH-Injektionslösung wird in der Regel einmal täglich direkt unter die Haut (subkutane Injektion) gespritzt. Dosierung und Dauer richten sich nach dem Therapieziel und werden vom Arzt individuell festgelegt. Je nach Behandlungsschema und Therapieziel wird FSH in Kombination mit weiteren Hormonen verabreicht.

LH gehört ebenfalls zur Gruppe der Gonadotropine (Ursprung und Herstellung) und wird zur Stimulierung der Follikelreifung bei Frauen eingesetzt. LH wird in der Regel in Kombination mit FSH verabreicht. Das Präparat wird gespritzt.

hCG gehört ebenfalls zu den Gonadotropinen (Ursprung und Herstellung). Normalerweise wird es von der Plazenta gebildet und unterstützt die Schwangerschaft. Bei der hormonellen Stimulation wird es verabreicht, um die Eizellreifung abzuschliessen und den Eisprung auszulösen. Weiter fördert es die Bildung und die Funktion des Gelbkörpers (Bildung von Progesteron) und der Gebärmutterschleimhaut. Beim Mann wird es zur Therapie des Hodenhochstandes und bei verzögerter Pubertät eingesetzt sowie bei Fruchtbarkeitsstörungen infolge Störungen im hormonellen Regelkreis (Mangel an FSH und LH) und ungenügender Bildung von Testosteron in den Hoden. Das Präparat wird gespritzt.

In der Fortpflanzungsmedizin werden GnRH-Agonisten bzw. GnRH-Antagonisten eingesetzt, um einen vorzeitigen, d.h. verfrühten Eisprung zu vermeiden. Sonst würde die Eizelle für die Eizellentnahme verloren gehen. Die Wahl Agonist oder Antagonist richtet sich nach dem Befund (Patientin) und dem Behandlungsschema. Beide erreichen den gleichen Effekt, auch wenn sich der Wirkmechanismus am GnRH-Rezeptor unterscheidet. Das Präparat wird gespritzt.

Progesteron gehört zur Gruppe der Gestagene (Gelbkörperhormone) und wird vorwiegend vom Gelbkörper gebildet. Es stimuliert die Entwicklung der Gebärmutterschleimhaut, so dass sich die befruchtete Eizelle optimal einnisten kann. Zugleich verhindert es, dass in dieser Zeit weitere Follikel heranreifen, und es unterstützt insgesamt die Schwangerschaft. Progesteron wird deshalb in der Regel in der zweiten Phase des Menstruationszyklus (Lutealphase) eingesetzt, um diese zu unterstützen. Dies sowohl bei spontanen als auch bei induzierten Zyklen im Rahmen der assistierten Reproduktion.

GONADOTROPINE – URSPRUNG UND HERSTELLUNG

Gonadotropine sind Proteine. Proteine können nicht ähnlich ‚einfach‘ wie chemische Wirksubstanzen (Bsp. Penicillin) hergestellt werden. Der Herstellungsprozess ist aufwändiger und komplexer und kann sich innerhalb der gleichen biopharmazeutischen Wirkstoffgruppe wesentlich unterscheiden. Die heute als Arzneimittel zur Verfügung stehenden Gonadotropine kann man aufgrund ihres Herstellungsverfahrens in zwei Gruppen einteilen, die sogenannt urinären und die sogenannt rekombinanten Produkte. Urinär bedeutet, dass die Hormone aus dem Urin von Frauen gewonnen werden. Rekombinant, dass die Hormone biotechnologisch hergestellt sind. Für urinäres FSH und LH wird der Urin von Frauen nach der Menopause verwendet, für hCG der Urin von Schwangeren. Der Urin wird gesammelt und entsprechend aufbereitet. LH und FSH sind im Urin als Mischung vorhanden. Belässt man im Aufbereitungsprozess diese Kombination, so wird sie humanes Menopausengonadotropin (hMG) genannt. Wird aus dem Urin nur das FSH gewonnen, nennt man es Urofollitropin (uFSH). Die biotechnologisch hergestellten Gonadotropine bezeichnet man als ‚rekombinant‘, also rFSH, rLH und rHCG. Die biotechnologische Herstellung zählt heute eindeutig zu den modernsten Verfahrenstechniken. Zu den Vorteilen rekombinant hergestellter Gonadotropine zählen die hohe Reinheit und die Konstanz der Qualität. Obwohl auch bei Biopharmazeutika Kontaminationen mit Fremdproteinen (z.B. Viren, Prionen) nie ganz ausgeschlossen werden können, liegt die Reinheit bei rFSH und rLH bei über 99%. Im Gegensatz zu urinären Produkten, welche – trotz klar verbesserter Herstellungsverfahren – einen deutlich höheren Anteil an Fremdproteinen aufweisen. Fremdproteine stellen insofern ein Risiko dar, da allergische Reaktionen und die Übertragung von Krankheitserregern nie ganz ausgeschlossen werden können.

 

 

 

 

 

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