Die Spermatogenese – Ausdruck der männlichen Fruchtbarkeit

 

Mit dem Eintritt in die Pubertät beginnt in den Hoden die Samenzellreifung, die sog. Spermatogenese. Ab diesem Zeitpunkt werden Samenzellen (Spermien) mehr oder minder kontinuierlich ein Leben lang gebildet. Die Lage der Hoden ausserhalb des Körpers bewirkt, dass die Temperatur in den Hoden ca. 2-3°C unterhalb der Körpertemperatur liegt. Dies ist Bedingung für eine optimale Spermienentwicklung.

 

Beim Mann wird die Spermienproduktion von den gleichen Hormonen gesteuert, wie bei der Frau der Menstruationszyklus und die Eizellreifung [Abb.1]. Im Hypothalamus wird das Gonadotropin Releasing Hormon (GnRH) gebildet, welches der Hypophyse das Signal zur Freisetzung des Follikelstimulierenden Hormons (FSH) und des Luteinisierenden Hormons (LH) erteilt. FSH und LH sind zusammen mit Testosteron für die Samenzellreifung entscheidend [Abb.2]. LH regt die Leydig Zellen im Hodengewebe zur Produktion von Testosteron an. Die Leydig Zellen liegen im Hodengewebe zwischen den Samenkanälchen. FSH wirkt auf die Sertolizellen. Diese bilden die Stützzellen der Samenkanälchen [Abb.3]. FSH regt die Sertolizellen mit Hilfe von Testosteron zur Ausreifung der bereits vorhandenen unreifen Spermien an. Die Samenzellreifung dauert insgesamt etwa 64 Tage.

 

Abb.1 (klicken um zu vergrössern)

Abb.2 (klicken um zu vergrössern)

Abb.3 (klicken um zu vergrössern)

Die reifen Spermien gelangen aus den Samenkanälchen in den Nebenhoden [Abb.3, 4], wo sie im Nebenhodengang gespeichert werden. Beim Samenerguss werden die Spermien aus dem Nebenhoden über den Samenleiter und durch die Harnröhre nach aussen gepresst. Täglich werden im Normalfall mehrere Hundert Millionen reifer Spermien gebildet [Abb.5]. Jeder Samenerguss kann bis zu 400 Mio. Spermien und mehr enthalten. Diese Anzahl schwankt individuell sehr stark. Laut WHO sollte bei einem gesunden Mann pro Milliliter Ejakulat mindestens 15 Mio. Spermien vorhanden sein. Und das Ejakulatvolumen sollte mindestens 1.5 Milliliter sein. Diese grosse Menge ist nötig, da sehr viele Spermien auf dem Weg bis zur Eizelle absterben oder diese aus anderen Gründen nicht zu befruchten vermögen.

 

Abb.3 (klicken um zu vergrössern)

Abb.4 (klicken um zu vergrössern)

Abb.5 (klicken um zu vergrössern)

Optimal befruchtungsfähig durch Aktivierung

Die im Nebenhoden gelagerten Samenzellen sind noch nicht voll befruchtungsfähig. Dafür sind weitere Schritte nötig. Dazu gehört als erstes der Aufenthalt im Nebenhoden. Dieser ist für die vollständige Reifung der Samenzellen nötig. In dieser Zeit bewegen sie sich im Nebenhodengang weiter Richtung Samenleiter. Dieser Prozess dauert etwa 14 Tage. Der Samenerguss selbst stellt den nächsten Schritt dar, die sogenannte Aktivierung der Samenzelle. Erst durch den Samenerguss und die Beimischung der unterschiedlichen Sekrete (Seminalplasma) erhalten die Samenzellen ihre Beweglichkeit. Die nächsten beiden Schritte erfolgen auf dem Weg zur Eizelle (sog. Kapazitation) bzw. wenn sie diese erreicht (Akrosomalreaktion). Erst jetzt ist die Samenzelle vollständig befruchtungsfähig und kann mit der Eizelle verschmelzen.

Obwohl bei der assistierten Fertilisation diese Aktivierungsschritte nicht genau gleich oder vollständig ablaufen können, ist eine erfolgreiche Befruchtung trotzdem möglich. Der Aktivierungsprozess, der ja auch zum Ziel hat, dass das Spermium die Eizelle überhaupt erreicht, wird durch die angewandten Methoden kompensiert.

 

 

 

 

 

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