Assistierte Reproduktive Technologien (ART)

 

Der Begriff ‚Assistierte Reproduktion‘ umfasst, genau genommen, alle Massnahmen und Therapien, welche eine Schwangerschaft zum Ziel haben, die auf spontanem und natürlichem Weg nicht zustande kommen kann. Dies fängt also bereits bei der mildesten Form der hormonellen Stimulation an und geht weiter bis zur ‚Befruchtung im Reagenzglas‘. Hingegen werden mit dem Ausdruck „Assistierte Reproduktive Technologien“ (ART) ausdrücklich diejenigen Therapiemethoden bezeichnet, welche sehr spezifisch und gezielt eine Befruchtung und Einnistung - und somit Schwangerschaft – anstreben. Diese beinhalten immer manuelle Eingriffe und Verfahren im Labor. Je nach Grundproblem und Therapiemethode erfolgt die Befruchtung in vivo (d.h., in der Gebärmutter) oder in vitro (d.h., ausserhalb der Gebärmutter). Die hormonelle Stimulation (Frau) bildet dabei häufig die Ausgangsbasis, soll hier aber nicht weiter besprochen werden. Siehe dazu Kapitel ‚Hormonelle Stimulation‘.

 

Nachfolgend sollen die wichtigsten Techniken der assistierten Reproduktion vorgestellt werden:

Die IUI wird meist dann durchgeführt, wenn die Samenzellen das Problem darstellen. Sie kann aber nur dann erfolgreich sein, wenn trotz gewisser Einschränkungen noch immer genügend lebensfähige und bewegliche Spermien im Samenerguss vorhanden sind. Eine IUI kann aber auch bei anderen Erkrankungen durchgeführt werden. Beispielsweise wenn aufgrund körperlicher Einschränkungen der normale Geschlechtsakt nicht möglich ist (Verletzungen, Erektionsstörungen, vorzeitiger Samenerguss, usw.) oder der Schleim im Gebärmutterhals die Samenpassage verhindert. Bei der IUI wird der Samen des Mannes mittels eines feinen Katheters direkt in die Gebärmutterhöhle eingebracht [Abb.1]. Dies erfolgt zum Zeitpunkt des Eisprungs. Somit müssen die Spermien nicht den ganzen Weg von der Scheide durch den Gebärmutterhals bis in die Gebärmutterhöhle zurücklegen und erhalten dadurch einen Vorteil. Eine hormonelle Stimulation (bei der Frau) im Vorfeld kann, muss aber nicht immer durchgeführt werden. Dies ist abhängig von der Ausgangslage.

Die IUI ist eine In-Vivo-Fertilisation, da die eigentliche Befruchtung der Eizelle im natürlichen Umfeld der Gebärmutter erfolgt.

 

Abb.1 (Klicken um zu vergrössern)

Video (Klicken um zu vergrössern)

 

Die IVF ist ein mehrstufiger Prozess und wird meist dann durchgeführt, wenn andere Methoden nicht zum Erfolg führen. Bei der IVF-Methode erfolgt die Befruchtung ausserhalb der Gebärmutter (in vitro, quasi ‚im Glas‘). Eine IVF erfordert eine sorgfältige Beratung und Planung, jeder einzelne Schritt wird genau festgelegt.

Zu Beginn steht immer die hormonelle Stimulation bei der Frau. Diese erfolgt nach einem individuell angepassten Stimulationsprotokoll. Ziel der hormonellen Stimulation ist es, befruchtungsfähige Eizellen zu gewinnen, da die Befruchtung ausserhalb der Gebärmutter erfolgen soll. Für die Befruchtung wird zudem der Samen des Partners gewonnen. Dieser wird vorgängig ebenfalls genau untersucht. Ist der Mann von einer Fruchtbarkeitsstörung betroffen, so sind weitere darauf abgestimmte Massnahmen notwendig.

 

Eine IVF-Behandlung gliedert sich vereinfacht in folgende Abschnitte [Abb.2]:

  • Hormonelle, d.h. ovarielle Stimulation (Frau)
  • Gewinnung von Eizellen: durch direkte Punktion der Follikel am Eierstock
  • Gewinnung der Samenzellen beim Mann: in der Regel kurz vor der Insemination
  • Insemination: Befruchtung der Eizellen mit den aufbereiteten Samenzellen - in vitro
  • Embryokultivierung: Kultivierung der befruchteten Eizellen im Brutschrank, ca 2-3 Tage
  • Embryotransfer: Einbringen der befruchteten Eizellen, d.h. Embryos in die Gebärmutter
  • Kryokonservierung von Vorkernstadien: überzählige, befruchtete Eizellen, welche nicht weiter entwickelt wurden, dürfen laut schweizerischer Gesetzgebung
  • (» FMedG) bis zu 5 Jahre aufbewahrt werden. Nicht aber Embryonen.

 

Für detailliertere Informationen zur IVF-Therapie siehe auch Kapitel IVF-Behandlung.

 

Abb.2 (Klicken um zu vergrössern)

 

Video: Oocyte retrieval (English)

 

Video: Embryo transfer (English)

 

Die ICSI ist eine spezielle Befruchtungsmethode und ergänzt die IVF. Die Behandlungsschritte sind grundsätzlich gleich wie bei der IVF, nur dass die Befruchtung gezielt unter dem Mikroskop erfolgt. Bei der ICSI wird eine Samenzelle des Mannes direkt in die Eizelle injiziert [Abb.3]. Diese Methode wird angewandt, wenn die erfolgreiche Befruchtung der Eizelle auch bei einer IVF unwahrscheinlich ist. Beispielsweise, weil die Spermienqualität ungenügend ist oder vorgängige IVF-Behandlungen erfolglos waren.

Auch wenn nur sehr wenige Spermien gewonnen werden können, kann mit der ICSI eine erfolgreiche Befruchtung und Schwangerschaft erreicht werden.

 

Abb.3 (Klicken um zu vergrössern)

 

Video (Klicken um zu vergrössern)

 

In der Regel werden die Samenzellen für eine IVF oder ICSI aus dem Samenerguss (Ejakulat) gewonnen. Ist dies nicht möglich, so besteht die Möglichkeit, mit einem kleinen chirurgischen Eingriff die Spermien direkt aus dem Nebenhoden (MESA) oder aus einer Gewebeprobe des Hodens (TESE) zu entnehmen.

MESA steht für Mikrochirurgische Epididymale Spermien-Aspiration, TESE für Testikuläre Spermien-Extraktion. Nach einer MESA bzw. TESE erfolgt immer eine ICSI. Gründe für eine MESA/TESE sind keine oder zu wenig Spermien im Samenerguss oder eine zu stark beeinträchtigte Spermienqualität.

In der Schweiz ist es laut Fortpflanzungsmedizingesetz (» FMedG) nur erlaubt, unbefruchtete oder befruchtete aber sich noch im Vorkernstadium1 befindende Eizellen tiefzugefrieren und aufzubewahren (max. 5 Jahre). Die Aufbewahrung tiefgefrorener Embryonen2 ist nicht erlaubt. Pro IVF-Zyklus dürfen maximal drei (meist nur ein bis zwei) befruchtete und kultivierte Eizellen, d.h. Embryonen, in die Gebärmutter eingebracht werden. Sind aber mehr Eizellen vorhanden, so ermöglicht die Kryokonservierung, diese für einen weiteren Behandlungszyklus aufzubewahren. Ist eine IVF-Behandlung erfolglos verlaufen, können diese dafür verwendet werden, ohne dass erneut eine Stimulation mit Follikelpunktion, usw. durchgeführt werden muss.

Werden für eine IVF kryokonservierte, befruchtete Eizellen verwendet, so spricht man von einem Kryozyklus.

 

 

1 Vorkernstadium: Sobald ein Spermium in die Eizelle eindringt, bilden sich zwei sog. Vorkerne, mit dem jeweils väterlichen und mütterlichen Erbgut. Es ist das Stadium unmittelbar vor der Verschmelzung und gilt als erstes Zeichen einer erfolgreich verlaufenen Befruchtung.

2 Embryo: Die Frucht von der Kernverschmelzung bis zum Abschluss der Organentwicklung.

 

 

 

 

 

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